Tips und Tricks

Metal Earth: Tipps und Tricks für Einsteiger

Vielen Dank an  Dr. Tim Schurig er hat sich viel Mühe gemacht das how to build mal in Worte zu fassen!

Vorwort

Es klingt ja so leicht: Aus dem Bogen die Teile herausdrücken, formen, Taps einfädeln, umbiegen, fertig. Nun ja, ein bisschen mehr Know-how kann nicht schaden, soll das Metal-Earth-Abenteuer gelingen. Die folgenden Hinwiese sind praxisbewährt. Auf Youtube gibt es zudem jede Menge Videos mit Tipps, die hier einmal zusammengefasst und ergänzt wurden. Insbesondere der Youtuber „animateorange“ hat offenbar nahezu jedes Metal-Earth-Modell gebaut.Hier wird man für das jeweilige Vorhaben zuverlässig mit hilfreichen Tipps versorgt.

Werkzeug

Metal Earth weist darauf hin, dass eine Pinzette und eine Flachzange das Erstellen der Modelle erleichtern. Jeder erfahrene Metal-Earth-Fan wird aber bestätigen, dass man doch etwas mehr benötigt, um der vielfältigen Herausforderungen Herr zu werden.

Folgende Auswahl an Werkzeugen hat sich bewährt.

Auswahl an Pinzetten

Zum Drehen der Taps sollte mindestens eine fest zupackende Pinzette zur Verfügung stehen (die alte Briefmarken-Pinzette von Opa genügt nicht). Unterschiedliche Breiten und eine gekröpfte Version sind hilfreich, um schwer zugängliche Taps zu erreichen

Drahtschneider

Besonders bei filigranen Teilen kommt man nicht darum herum, diese mit einem Drahtschneider aus der Platte herauszulösen. Auch groben Graten kann man so zu Leibe rücken.

Schmale und breite Flachzange ohne Riffelung

Flachzangen sind sowohl für das Abkanten als auch für das Drehen von Taps hilfreich sowie zum Formen verbogener Teile. Wichtig ist, dass die Zangen keine Riffelung aufweisen, um keine Spuren auf dem Metall zu hinterlassen.

Bohrer oder Rundhölzer oder andere runde Gegenstände

Ein billiges Bohrerset, ein runder Bleistift oder Edding, die „Nüsse“ aus dem Werkzeugkasten, kurzum alles, um das man ein flaches Blech wickeln kann, ist hilfreich, um die zahlreichen zylindrischen Formen zu erzeugen. Ich verwende gerne sogenannte „Durchstecher“.

Murmeln oder Metallkugeln

Murmeln und Metallkugeln können für kuppelartige Formungen verwendet werden, auch Werkzeuge aus dem Töpferbereich können hier zum Einsatz kommen.

Feiner Schlitzschraubendreher

Schlitzschraubendreher kann man für das Umbiegen der Taps gut benutzen. Hier darf es gerne der Feinmechaniker-Schraubendreher sein.

Cuttermesser

Zuweilen müssen Taps wieder angehoben werden, z. B. zur Fehlerkorrektur. Mittels einer feinen Klinge kann man festsitzende Taps wieder gangbar machen, ohne die Oberfläche zu gefährden.

Dental-Haken

So mancher umzubiegender Tap liegt so versteckt, dass er nur mit einem Haken umgebogen werden kann.

Fingerhut

Fingerhüte sollten man dann verwenden, wenn auf das Modell beim Biegen von Taps Druck ausgeübt werden muss, die Stelle, die zum „Gegenhalten“ zur Verfügung steht, aber scharfkantig / spitz ist.

Sekundenkleber

Ja, auch das. So manches Modell lässt sich retten und so manches Kleinteil zum Verbleib am vorgesehenen Ort überzeugen, wenn man in letzter Instanz beherzt einen Tropfen Kleber an die richtige Stelle setzt. Nur das Ergebnis zählt.

Gute Beleuchtung, ggf. Leselupe

Nicht nur für die Veteranen des Modellbaus fortgeschrittenen Alters dürfte angesichts der teilweise äußerst kleinen Bauteile eine Leselupe hilfreich sein. Gute Beleuchtung ist selbstverständlich, zwei Lampen helfen bei der Vermeidung störender Schatten.

 

Vorbereitung

Für Ordentliche: Die Vorsortier-Methode

 Bedeutet: Auf eine Unterlage Kreise malen, durchnummerieren und dann die Teile von 1 bis z. B. 43 alle in einem Durchgang heraussuchen, aus den Rahmen herauslösen und in den Kreisen ablegen. M. E. bietet sich dies eher bei kleinen Modellen an. Bei komplexen kleinteiligen Modellen besteht hierbei immer die Gefahr, dass man Teile falschen Zahlen zugeordnet hat, man dies dann aber nicht mehr anhand der Position im Metallrahmen nachvollziehen kann.

Im Übrigen: Vorsicht bei Zugluft!

Für Spontane: Die Just-in-time-Methode

 Hierbei werden die Teile erst kurz vor dem Montieren herausgesucht, was den Vorteil hat, dass nichts durcheinander geht. Auf der anderen Seite muss das Bauen ständig unterbrochen werden. Und warum Metal-Earth die Teileliste nicht auf einen Extrazettel druckt, frage ich mich nach ca. 40 Modellen und dem x-ten Hin- und Herblättern immer wieder 😊.

Und einige Worte zu den Bauanleitungen

 

  • Es gilt die alte Straßenverkehrsregel: vorausschauend fahren, Verzeihung, bauen! Es lohnt sich, die Anleitung einmal von Anfang bis Ende durchgesehen zu haben. Teilweise sieht die Anleitung z. B. das Schließen eines Hohlkörpers vor, um im nächsten Schritt die Montage weiterer Teile vorzusehen, deren Taps man dann nur noch mühevoll durch eine kleine Lücke erreichen kann. Dies kann man vermeiden, indem man Kleinteile vor dem Verschließen montiert.
  • Die Bauanleitungen, die mit einem Farbcodesystem für die Teilezuordnung arbeiten, sind neueren Datums und deutlich besser als die alten Anleitungen. Grundsätzlich sollte man aber eher seinen Augen und den 360-Grad-Darstellung im Internet trauen, als blind nach Anleitung vorzugehen. Zuweilen sind auch echte Fehler enthalten. Speziell, wenn Teile umgedreht werden, sind die Gravuren nicht immer auf der richtigen Seite dargestellt.
  • Häufig sieht die Anleitung einen grünen Pfeil und damit Verdrehen der Taps vor, wo aber auch ein einfaches Niederdrücken genügt. Der Imperial Star Destroyer sieht viel besser auch, wenn man die beiden Hälften mittels Umlegen der Taps verbindet und nicht verdreht, wie in der Anleitung vorgesehen.

Grundlegende Bautechniken

 Taps drehen

Beim Drehen der Taps den Tap mit der Pinzette oder Zange packen, ein wenig daran ziehen, um das Bauteil richtig zu positionieren und dann erst drehen. Wenn man immer in die gleiche Richtung und immer nur 90 Grad dreht, hat man es leichter, wenn man einmal in Verlegenheit kommt, das Teil wieder lösen zu müssen. Versprochen: diese Situation wird kommen 😊.

Bei Taps, die parallel zu einem anderen Bauteil liegen, bietet es sich an, den Tap etwas nach außen zu biegen, um ihn erst dann zu drehen.

Taps biegen

Das Biegen der Taps findet immer dort statt, wo der Tap im Gesamtbild verschwinden soll, daher soll er möglichst flach anliegen. Das Herunterdrücken der Taps gelingt am besten, wenn man das Werkstück so in die Hand nimmt, dass man entsprechenden Gegendruck erzeugen kann, ohne die schon verbauten Bauteile zu beschädigen. Es lohnt sich also, vor dem Biegen zu überlegen, wie man diesen Gegendruck herstellen kann. Hierbei sind besonders fragile Teile möglichst zu schonen. Auch der Einsatz eines Fingerhuts kann sinnvoll sein.

Abkanten

Das Abkanten (= Erzeugen eines Winkels, meist 90 Grad) sollte man grundsätzlich mit einer Flachzange vornehmen, um schärfere Kanten zu erzeugen. Bei langen schmalen Kanten bietet sich der Einsatz einer langen schmalen Zange an, die möglichst den ganzen umzubiegenden Bereich „packt“, damit auf der langen Strecke keine Unregelmäßigkeiten entstehen. Metal Earth hat die umzuknickenden Bereiche meist so bemessen, dass dies mit einer handelsüblichen Zangenlänge auch gelingt. Sehr lange Kanten, die meist bei den Basisplatten vorkommen, kann man auf der Tischplatte abkanten.

Runde Formen erzeugen

Beim Erzeugen der vielfach vorkommenden kleinen zylindrischen Formen lohnt es sich, den Zylindermantel erst auf einem etwas überdimensionierten Werkzeug, z. B. einem Bohrer, vorzuformen, dann den Berührungspunkt der beiden Enden mit einer Flachzange anzupassen und erst dann das Werkstück um ein Werkzeug zu wickeln, dass dem endgültigen Durchmesser entspricht, um die endgültige Form herzustellen

Konische Formen erzeugen

Konische Formen lassen sich durch das Wickeln um die Spitze eines Bleistifts erzeugen. Größere Objekte kann man mit einer Rundzange sachte in Form bringen. Die vielfach anzutreffenden „Cockpits“ (z. B. bei den Tie-Fightern) lassen sich mit einer Murmel sehr gut vorformen.

Große Teile zusammenfügen

Häufig werden größere Bausektionen zusammengefügt, z. B. beim Millenium-Falcon die Ober- und Unterseite. Naturgemäß müssen hier viele Taps auf einmal eingeführt und gesichert werden. Doch mindestens ein Tap will meistens einfach nicht an seinem Platz bleiben. Hat man sich vergewissert, dass alle Taps grundsätzlich passen und nicht noch einmal korrigiert werden müssen, sollte man an einer Seite beginnen und sich langsam im Kreis vorarbeiten. Das Befestigen gegenüberliegender Taps hat meist den Nachteil, dass man das gesamte Objekt zu sehr in Spannung versetzt, was das Einführen der noch ausstehenden Taps erschwert.

 

Gezielter Einsatz von Klebstoff – ein Metal-Earth-Tabu?

Natürlich ist es das Ziel, bei der Montage völlig ohne Klebstoff auszukommen. An folgenden Beispielen kann man erkennen, dass es ab und an aber sinnvoll ist, mit dieser Regel zu brechen:

 

  • Darth Vader‘s Tie Fighter: Dieser Fighter hat vorne zwei kleine Laserkanonen. Mir war es partout nicht gelungen, diese zu befestigen. Ich ließ sie einfach weg und befestigte sie am Ende mit jeweils einem Tropfen Sekundenkleber, fertig. Dies bietet sich immer dann an, wenn Teile sehr filigran und nur mäßig stabil zu befestigen sind und man ständig Gefahr läuft, die mühsam erstellte Verbindung durch eine unbedachte Aktion beim Montieren weiterer Teile wieder zu zerstören.

 

  • Lunar Rover: Der Mast, der die „Schüssel“ hält, ist sehr dünn und muss mit äußerst eng liegenden Taps befestigt werden. Daneben befindet sich aber in sehr engem Abstand ein Kasten, an den ich den Mast einfach festgeklebt habe. Sieht kein Mensch 😊.

 

  • Drumset: wenn mir jemand sagen kann, wie man die Ringe, die um die Bassdrum herumgeführt werden sollen, zu einem Kreis schließt, möge er sich melden. Ich habe die Verbindung an der Unterseite der Bassdrum einfach mit Klebstoff hergestellt.

 

Fehlerkorrektur

Shit happens, auch beim Modellbau. Hat man ein Teil falsch eingebaut und muss es wieder lösen, fällt dies besonders leicht, wenn man wie oben beschrieben die Taps immer auf die gleiche Weise dreht, denn dann kann der Vorgang meist ohne Schwierigkeiten rückgängig gemacht werden. Vor dem Rausziehen sollte man den Tap noch einmal gut mit einer Flachzange plattdrücken, dies erleichtert das Lösen und Wiedereinführen.

Und wenn man sich einmal völlig verrannt hat? Manche Modelle habe ich einfach mal ein paar Tage liegen lassen, um mich später noch erfolgreicher Fertigstellung zu fragen, was eigentlich das Problem war. Kommt Zeit kommt Rat. This is not a race.

Finishing

Wenn man den letzten Bauschritt vollzogen hat, sollte man das Modell noch einmal einer letzten Überprüfung unterziehen. Es kann sinnvoll sein, dies erst einen Tag später zu tun. Nun gilt es, vorwitzige Taps noch einmal ranzudrücken, filigrane und daher ggf. verbogene Teile mittels Flachzange zu richten und Teile, die nicht so recht stabil halten wollen, mit etwas Kleber auf die Sprünge zu helfen. Gerade bei Modellen, die große blanke Flächen aufweisen, empfiehlt es sich, Fingerabdrücke mit etwas Alkohol und einem Wattestäbchen zu entfernen.

Präsentation

Bei nur einem Modell kann man überlegen, ob man es auf einem Solar-Spinner platziert, auf eine LED-Base stellt oder es unter einer Acrylglas-Haube vor Staub schützt. Dieser Shop hält ja so manche Produkt-Vorschläge bereit. Bei einer ganzen Sammlung kann man über eine Vitrine nachdenken. Auch Sammel-Boxen für Slotcar-Autos sind gut geeignet.

Einsteiger-Modelle

Für den Einstieg geeignete Modelle sind aus meiner Sicht:

 

  • Imperial Star Destroyer
  • Millenium Falcon
  • Grand Piano
  • Gitarre und Bass
  • Brandenburger Tor

 

Schlusswort

Ich hoffe, Ihr konntet mit den Tipps etwas anfangen. Ich wünsche viel Spaß mit den Modellen.

 

Enjoy the process!